Rechtsextremismus im 21. Jahrhundert: Psychosoziale Erklärungen und Gegenstrategien
15.07.2026 | 10.00 Uhr – 15.00 Uhr
Spielstätte: Akki Düsseldorf
Referent*in: Dr. Alexander Yendell
Die Welt erlebt aktuell einen deutlichen Rechtsruck: Polarisierung, Nationalismus und autoritäre Bewegungen gewinnen an Einfluss – nicht nur in Deutschland, sondern international. Diese Dynamiken prägen gesellschaftliche Diskurse und entladen sich zunehmend in Gewalt und Kriegen, die von rechtsextremen und faschistischen Ideologien maßgeblich befeuert werden. Auch in Deutschland ist der Erfolg der AfD ein Ausdruck dieser Entwicklungen. Rechtsextreme Mobilisierung entsteht dabei nicht allein aus gesellschaftlichen Krisen, sondern auch aus politischer Kommunikation, die Ängste, Kränkungen und Ressentiments gezielt verstärkt.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei (0,00€) Für alle Teilnehmenden stehen während der Seminare kostenfrei Getränke sowie kleine Snacks bereit.
Häufig beschreiben Analysen jedoch nur das Phänomen: Sie fokussieren auf Krisen, die rechte Akteure selbst als Begründung anführen – soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Instabilität, Migration, Pandemie. Das ist wichtig, greift aber zu kurz. Selten wird die Frage gestellt, warum manche Menschen resilient auf Krisen reagieren, während andere autoritäre Aggression und Feindseligkeit entwickeln Zugleich bleibt häufig unterbelichtet, wie politische Akteure vorhandene Ängste und Konflikte aufgreifen und gezielt für Mobilisierung nutzen.
Dabei existiert eine lange Forschungstradition, die genau hier ansetzt. Demzufolge ist Rechtsextremismus immer zugleich ein politisches und ein psychosoziales Phänomen – die beiden Ebenen sind untrennbar miteinander verwoben. Gesellschaftliche Konflikte, individuelle Erfahrungen und politische Mobilisierungsstrategien greifen ineinander und können unter bestimmten Bedingungen autoritäre Weltbilder stabilisieren.
Ein fundiertes Verständnis der Ursachen von Rechtsextremismus aus Sicht der politischen Psychologie
Einblicke in klassische und moderne Konzepte wie Autoritarismus, soziale Identität, affektive Mobilisierung
Die Verbindung von Theorie und Praxis: Was bedeuten diese Erkenntnisse für Prävention und Intervention?
Methoden und Handwerkszeug, um wissenschaftlich fundierte Argumente in Bildungsarbeit und Praxis umzusetzen und so die Fähigkeit zu stärken, Radikalisierungsprozesse differenziert zu analysieren und daraus tragfähige Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Dr. Alexander Yendell ist Soziologe am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt der Universität Leipzig. Er forscht zu Rechtsextremismus, autoritären Einstellungen, Verschwörungsmentalität und den psychosozialen Grundlagen politischer Radikalisierung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Demokratievertrauen und sozial-ökologischer Transformation.
Yendell war bis 2022 Mitautor der Leipziger Autoritarismusstudien und leitete Projekte wie „Konfliktraum Leipzig“ und „Konfliktraum Hamburg“, die regionale Radikalisierungsprozesse untersuchten. Derzeit ist er Projektleiter in internationalen Horizon-Forschungsprojekten zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Biodiversität und Klimaresilienz (u. a. PRO-Coast, PRO-Climate). Seine Vorträge verbinden wissenschaftliche Analyse mit praxisnahen Perspektiven und eröffnen differenzierte Einblicke in die politisch-psychologischen Dimensionen gesellschaftlicher Krisen.